Modalverben subjektiv
B2 · ~15 Minuten
Modalverben haben neben ihrer objektiven Bedeutung auch subjektive Lesarten, die eine Einschätzung des Sprechers wiedergeben. Sie sind zentral für nuancierte Aussagen auf B2-Niveau. 'Müssen' als Vermutung bedeutet eine hohe Wahrscheinlichkeit: Er muss krank sein — ich bin fast sicher. 'Können' drückt eine schwächere Möglichkeit aus: Er kann krank sein — es ist denkbar. 'Dürfte' signalisiert eine vorsichtige Vermutung: Er dürfte schon zu Hause sein. 'Mögen' in der Vermutungslesart ist selten, häufig in Konzessivsätzen: Er mag recht haben, aber... 'Wollen' drückt eine unbewiesene Behauptung aus: Er will Arzt sein — er behauptet es. 'Sollen' signalisiert Hörensagen: Er soll sehr reich sein — andere sagen das. Typischer Lernerfehler: Verwechslung von wollen und sollen in diesen Lesarten. Faustregel: wollen = Selbstbehauptung der 3. Person; sollen = Gerücht aus zweiter Hand.
- Er muss sehr klug sein, alle reden von ihm.
- Sie kann durchaus recht haben.
- Das Paket dürfte morgen ankommen.
- Er will den Unfall nicht gesehen haben.
- Das Hotel soll ausgezeichnet sein.
- Du musst jetzt hungrig sein.
- Sie soll früher eine berühmte Sängerin gewesen sein.
- Er will gestern zehn Stunden gearbeitet haben.
Er ___ krank sein, denn er ist ganz blass. (hohe Wahrscheinlichkeit)